Lehrpfad

Konzept für einen Landschaftshistorischen Lehrpfad in Fatschenbrunn, Gem. Oberaurach

 

Einführung

Die Gemarkung Fatschenbrunn in der Gemeinde Oberaurach im nördlichen Steigerwald ist ein sowohl landschaftshistorisch als auch ökologisch besonders wertvolles Gebiet. Es bewahrt zahlreiche Zeugnisse vergangener Landnutzung sowie eine ursprüngliche Flurstruktur, die heute noch weitgehend derjenigen des Urkatasters des frühen 19. Jh. entspricht, die wiederum auf Strukturen des späten Mittelalters zurückgeht. In Fatschenbrunn befindet sich darüber hinaus das größte reliktisch erhaltene Zeugnis von Stockfeldbau der Region. Aufgrund dieser Eigenschaften handelt es sich um ein ideales Gebiet, um Veränderungen in der Nutzung der Kulturlandschaft im Steigerwald und deren Auswirkungen auf Mensch und Natur zu untersuchen und zu vermitteln.

Die Universitäten von Bamberg und Erlangen führen in der Gemarkung seit 2012 ein Forschungsprojekt mit dem Titel „Kulturlandschaftliche Entwicklung der Gemarkung Fatschenbrunn in Mittelalter und Neuzeit“ durch, das aktiv von den Einwohnern Fatschenbrunns unterstützt und gefördert wird. Ziel des Projektes ist die Erstellung einer Modellstudie, die naturräumliche und ökonomische Veränderungsprozesse in einer gut definierten ländlichen Region vom Mittelalter bis ins 20 Jh. aufzeigt. Durch dieses Forschungsprojekt stehen geographische, archäologische, botanische, bodenkundliche und geologische Daten für einen interdisziplnären Lehrpfad zur jüngeren Landschaftsgeschichte zur Verfügung.

Sowohl die Projektleiter, als auch die Einwohner Fatschenbrunns sprechen sich dafür aus, die Ergebnisse des Projektes der Öffentlichkeit mittels eines Lehrpfades zu vermitteln. Dadurch sollen die historischen und landschaftlichen Besonderheiten der Region einem breiteren Personenkreis zugänglich gemacht, und so positive Effekte für die regionale Entwicklung erzielt werden.

Der Lehrpfad soll für Laien und Kinder leicht verständlich und auf ansprechende Art und Weise wissenschaftliche und historische Inhalte vermitteln. Dieser interdisziplinäre Ansatz, der geistes- und naturwissenschaftliche Blickpunkte in einem Lehrpfad vereint, ist in Deutschland bisher einzigartig.

 

lehrpfad

 

 

 

Ziele des Lehrpfades

  • Vermittlung von historischem, botanischem und geographischem Wissen an interessierte Personen und Schüler
  • Heraushebung der historischen und landschaftlichen Bedeutung der Region
  • Bewusstseinsbildung für die historischen Wurzeln der heutigen Kulturlandschaft
  • Hervorhebung der Auswirkungen menschlicher Nutzung auf Landschaft und Natur
  • Erhöhung der Attraktivität Fatschenbrunns als Ausflugs- und Wanderziel
  • Sensibilisierung für Fragen des Schutzes der Natur, der Landschaft und des kulturellen Erbes

 

Zielgruppen

Zielgruppe sind alle Bürgerinnen und Bürger, insbesondere:

  • Interessierte Laien
  • Familien mit Kindern
  • Kindergärten und Schulen
  • Studierende und Lernende
  • Touristen
  • Gemeinnützige Organisationen und Vereine

 

Umsetzung

Der Lehrpfad soll aus 13 Tafeln bestehen. Er hat eine Länge von 5,7 km. Die Texte und Bilder der Tafeln werden durch Wissenschaftler der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen erstellt. Die Bewohner von Fatschenbrunn werden in die Gestaltung und Errichtung der Tafeln mit einbezogen. Der Lehrpfad soll im Sommer 2016 fertiggestellt werden.

Eine Begleitbroschüre soll die Route des Lehrpfades beschreiben und zusätzliche Informationen zur Verfügung stellen. Durch Pressearbeit, einen Flyer und die Einrichtung von Informationsseiten auf der Internetpräsenz der Gemeinde Oberaurach und des Ortes Fatschenbrunn soll der neue Lehrpfad der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden.

Der Erhalt des Lehrpfades erfolgt durch die in Fatschenbrunn vertretenen Vereine.

 

Stationen

Es sind folgende Stationen vorgesehen (siehe Karte Abb. 1):

Station 1 – Start

Lage: Parkplatz beim Sportplatz

Beschreibung: 1 Tafel mit allgemeinen Informationen zum Lehrpfad (Länge, Verlauf mit Karte) und der Geschichte des Ortes Fatschenbrunn.

 

Station 2 – Botanik 1:

Lage: Am Waldrand im Norden Fatschenbrunns, neben einer extensiv bewirtschafteten, ökologisch wertvollen Wiese.

Beschreibung: 1 Tafel mit Informationen zu den Pflanzenarten auf der nahegelegenen Wiese und ihrer ökologischen Bedeutung.

 

Station 3 – Waldwirtschaft 1:

Lage: Im Wald, an der Abzweigung des Weges zur alten Drosselmühle.

Beschreibung: 1 Tafel über die Bedeutung des Waldes in der Vergangenheit und Veranschaulichung der historischen Nutzungsformen: Pechsiederei und Köhlerei.

 

Station 4 – Glashütte:

Lage: Standort einer ehemaligen Glashütte bei der alten Drosselmühle.

Beschreibung: 1 Tafel zur in der Region nachgewiesenen Glasherstellung im Mittelalter und der frühen Neuzeit mit Informationen zur Technik der Glasherstellung.

 

Station 5 – Waldwirtschaft 2:

Lage: Im Wald an der Abzweigung des Weges zurück nach Fatschenbrunn.

Beschreibung: 1 Tafel zur Bedeutung des Waldes in der Gegenwart und zur modernen, nachhaltigen Waldnutzung durch die Bayerischen Staatsforsten.

 

 

Station 6 – Bodenkunde:

Lage: Am Weg nach Fatschenbrunn, nach dem Fischteich, wo die Terrassenstrukturen der Gemarkung gut erkennbar sind.

Beschreibung: 1 Tafel mit Ergebnissen der bodenkundlichen Untersuchungen der Universität Erlangen um Fatschenbrunn. Die Terrassenlandschaft und deren Entstehung durch die landwirtschaftlichen Praktiken wird erläutert, sowie die charakteristische Beschaffenheit des Bodens.

 

Station 7 – Baumfelder:

Lage: Am Feldweg nach Fatschenbrunn, von wo aus die Relikte der alten Baumfelder gut einsehbar sind.

Beschreibung: 1 Tafel mit Informationen zur historischen Anbaumethode des Stockfeldbaus, die reliktisch in Fatschenbrunn noch gut nachweisbar ist.

 

Station 8 – Obstsorten:

Lage: Am Feldweg nach Fatschenbrunn, von wo aus man alte Obstbäume gut sehen kann.

Beschreibung: 1 Tafel über die durch botanische Untersuchungen in Fatschenbrunn nachgewiesenen seltenen und/oder endemischen Obstsorten und über die Erhaltung der Biodiversität im Obstbau.

 

Station 9 – Botanik 2:

Lage: Am Weg nach Fatschenbrunn neben einer extensiv genutzten, ökologisch wertvollen Feuchtwiese.

Beschreibung: 1 Tafel mit Informationen zu Pflanzengesellschaften auf einer hochwertigen, extensiv genutzten Feuchtwiese in Fatschenbrunn.

 

Station 10 – Geologie:

Lage: Am Markertsgrüner Weg, in einem alten Steinbruch, sodass die beschriebenen geologischen Schichten direkt beobachtet werden können.

Beschreibung: 1 Tafel mit Informationen zur Geologie der Region, mit einer Beschreibung der vorkommenden Gesteine und deren Genese.

 

Station 11 – Hutzeln:

Lage: Im Dorf, neben einer alten Hutzeldarre.

Beschreibung: 1 Tafel zur Geschichte und Technik der Hutzelherstellung und deren wirtschaftlichen Bedeutung in der Vergangenheit.

 

Staiton 12 – Archäologie:

Lage: Im Dorf, neben der Kirche.

Beschreibung: 1 Tafel zur Archäologie in Fatschenbrunn mit einer Beschreibung der in den letzten Jahren von der Universität Bamberg durchgeführten archäologischen Begehungen und einer Vorstellung der ersten Ergebnisse.

 

Station 13:

Lage: Oberhalb des Friedhofs, nahe dem Ausgangspunkt, neben einem heute intensiv bewirtschafteten Acker.

Beschreibung: 1 Tafel, die die Zukunft der historischen Kulturlandschaft thematisiert: Die Flurbereinigung in Fatschenbrunn und der Konflikt zwischen der Erhaltung der Kulturlandschaft und den Ansprüchen einer modernen Landwirtschaft.

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